Harald Fidler - Österreichs manischer Medienmacher - Die Welt des Wolfgang Fellner
09.09.19, 23:35 | Harald Fidler

"Fidlers oft wirklich gute Informationen, Recherchekönnen und Wortwitz"

„Wen soll das interessieren?“

Herr Fellner, dieser Tage erscheint eine Biografie über Sie. Geschrieben vom Standard-Kollegen Harald Fidler, den viele für den besten Medienjournalisten halten. Sie durften die Fahnen vorab lesen. Wie ist Ihr Urteil?

Wolfgang Fellner: Ich bin überrascht, dass jemand allen Ernstes 300 Seiten über mich verfasst. Ich kann mir kaum vorstellen, dass mein Lebenswerk 300 Seiten füllt – entsprechend langatmig ist das Buch in vielen Passagen. Ich bin beim ersten Mal lesen kurz vor Seite 100 – als seitenlang alle meine Marketing-Aktivitäten von Rennbahn-Express und Basta aufgezählt wurden – eingeschlafen. Ich hoffe, das geht anderen Lesern nicht ebenso. Ich selbst habe bisher jedes Angebot, ein Buch über mein Leben zu schreiben, abgelehnt, weil ich der Meinung bin: Man schreibt einen Match-Bericht nicht zur Halbzeit. Und ich habe mit knapp 55 Jahren hoffentlich noch nicht einmal die Halbzeit meines Berufslebens erreicht. Dazu kommt: Den Erfolg einer Tageszeitung kann man – nach Meinung aller Experten – frühestens nach fünf Jahren beurteilen. Entsprechend besteht das Buch aus Mutmaßungen – die wirklich spannenden Storys meines Lebens fehlen. Was ich hinter den Kulissen mit Politikern, Prominenten, Konkurrenten, Partnern erlebt habe, weiß Gott sei Dank nur ich. Und das habe ich aus gutem Grund (noch) nicht erzählt.

Marketing ist ein gutes Stichwort. Im Kern geht es in Fidlers Buch darum, dass Sie alte Schmähs aus ihrer Rennbahn-Express-Zeit weiterdrehen. Gratis-Extras, Beilagen.

Wolfgang Fellner: Das Buch besteht mehr oder weniger aus Fidlers gesammelten Werken – also den aufsummierten rund 100 Standard-Geschichten, die er über mich verfasst hat. Dazu gehört seine Fixierung, dass mein Erfolg primär aus Marketing besteht. Meine redaktionellen Erfolge – vom Aufdecken der Noricum-Affäre bei Basta über die Enthüllung der Bawag-Spekulationen bei News bis zum Enttarnen von Straches Nazi-Vergangenheit bei Österreich – kommen gar nicht oder nur als Nebensatz vor. Die Wahrheit ist aber, dass Zeitung- und Magazinmachen zu 80 Prozent aus Journalismus und wohl nur zu 20 Prozent aus Marketing besteht. Und die wirklich spannenden Erlebnisse meines Lebens waren journalistische „Abenteuer“ und nicht Marketing-Routine. Dementsprechend fad finde ich das Buch in vielen Passagen.

Fidlers Buch hat den Titel „Österreichs manischer Medienmacher“. Sind Sie manisch oder nur ein bisserl Testosteron-gesteuert?

Wolfgang Fellner: Ich habe gerade zwei Biografien über Axel Springer und Henri Nannen gelesen, die spannender als meine Biografie sind – beide werden als „manische Medienmacher“ beschrieben, ich befinde mich also in guter Gesellschaft. Es dürfte für den kleinen Maxi irgendwie zum Nimbus eines Medienmachers gehören, dass er „manisch“ sein muss. Jeder, der mich privat kennt, weiß, dass ich von „manisch“ weit entfernt bin, dass ich aber eine sehr große Leidenschaft für das Zeitungmachen, für das Neuerfinden von Medien und für Journalismus habe. Diese Leidenschaft bestimmt mein Leben und ist wohl auch Teil meines bisherigen Erfolgs, der sich aber mit dem von Springer oder Nannen nicht einmal ansatzweise vergleichen lässt.

Letzte Frage: Was halten Sie eigentlich von Harald Fidler?

Wolfgang Fellner: Privat ein ganz sympathischer Bursche, beruflich natürlich ein Schreibtisch-Täter im Auftrag seines Verlegers. Bei allem Respekt vor Fidlers oft wirklich guten Informationen, Recherche-Können und Wortwitz – ich finde es nicht anständig, wenn auf der Medienseite eines angeblich seriösen rosa Blattes immer einseitig auf die Konkurrenz – egal ob sie Presse, Kurier oder vor allem Österreich heißt – hingeprügelt wird. Man merkt bei vielen Fidler-Geschichten halt die Absicht.

Der österreichische Journalist 17. September 2009

Anm. Harald Fidler: Man soll vielleicht nicht von sich auf andere schließen – Oscar Bronner hat sich gut amüsiert über Fellners Vermutung, er wäre der Auftraggeber meiner Berichterstattung. Und seine journalistischen Höchstleistungen kommen im Buch keineswegs zu kurz. Die übrigen Anmerkungen spar ich mir jetzt.

Harald Fidler c/o Autorengemeinschaft Fidler/Merkle · Maria-Theresien-Straße 30/18 · 1010 Wien · Österreich · E-Mail fid@diemedien.at · Autor des Medienlexikons „Österreichs Medienwelt von A bis Z“ · Website by Qarante