09.09.23, 18:59 | Harald Fidler
Apfel-A für Lulu und Vollschas! Leben und Werk des WoFe
Apfel-A für Lulu und Vollschas! Leben und Werk des WoFe
Harald Fidler, Medienredakteur und Kenner der Szene, porträtiert den Mediengründer Wolfgang Fellner als manisches, rüpelhaftes Wesen
Rezension: Armin Thurnher
Kann man einem Mann, der Österreich in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit mit einem Ozean von publizistischem Schlamm überzogen hat, wie man früher einmal gesagt hätte, im anekdotischen Plauderton begegnen? Kann man einem Kerl, der die Sitten einer gewiss nicht höchsten moralischen Ansprüchen genügenden Publizistik noch einmal drastisch versaute, mit coolem Referieren biografischer Fakten begegnen? Und soll man einen Verleger, der mit seinem Tun zwar gesellschaftlichen Schaden angerichtet, zur Monopolisierung Wesentliches beigetragen hat, dafür aber mit ein paar Villen und einem dreistelligen Millionenvermögen davonkam, auch noch in guter journalistischer Art selbst zu dem kritisch über ihn Gesagten Stellung nehmen lassen? Wäre so einem gegenüber nicht eher eine Philippika angebracht, biblischer Zorn, eine Verwünschung, oder, vielleicht noch besser, eine satirisch präzise, selbstverständlich nur metaphorische Hinrichtung?
Harald Fidler, der faktensicherste Medienjournalist Österreichs, Chronist des täglichen Medienwahnsinns im Standard, hat vor kurzem eine Enzyklopädie des hiesigen Medienunwesens vorgelegt (Österreichs Medienwelt von A bis Z, Falter Verlag). Nun porträtiert er Wolfgang Fellner als manischen Medienmacher. Fellner hat mit der Schülerzeitung Rennbahnexpress, mit dem Magazin Basta, später mit News, Woman und TV-Media, zwischendurch als Manager des Kurier und dann als Gründer der Tageszeitung Österreich zur Verheerung der hiesigen Medienlandschaft nachhaltig beigetragen. Wie sich das im Einzelnen zugetragen hat, erfährt man bei Fidler. Fellner durfte das Manuskript lesen und kommt mit kritischen Einwürfen zu Wort.
Man erfährt alle biografischen und auch verlagstechnischen Details des Fellner’schen Wesens und Wirkens. In der Gesamtschau der unappetitlichen Details entfaltet das eine gewisse Wucht, wenngleich Fidler über das biografische Detail nicht hinausgelangt. Man mag wissen wollen, dass Fellner eine Lulu-Geschichte, also eine nicht so gute, die ihm jemand aus der Redaktion vorlegt, mit Apfel-A markiert, vollständig löscht und dann selbst ganz neu schreibt. Aber dann möchte man nicht nur die Anekdote lesen, sondern auch das Urteil, dass es sich dabei um das Ende des zivilisierten Journalismus handelt.
Falter, 23. September 2009
Anm.: Ich denke, die Leserinnen und Leser können sich auf der Basis meiner Infos schon ein Urteil bilden. Wenn nicht, hilft Armin Thurnher ja, auch mit dem einen oder anderen Zitat im Buch.
