851 Tage zuvor | Harald Fidler
"Macher und Macker"
Ein neues Buch beschreibt die “irre Welt” des Verlegers Wolfgang Fellner.
“Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.” Bei dieser Auffassung unterscheidet sich Wolfgang Fellner nicht von Pippi Langstrumpf. Daher lässt er durchaus auch zwei mal drei vier ergeben. Das meint der österreichische Journalist Harald Fidler. Mit dem Zitat der Neunjährigen beginnt sein neues Buch über den umstrittenen Verleger.
“Österreichs manischer Medienmacher” entwickelte schon als 13-Jähriger erste Blattkonzepte. Richtig ins Geschäft stieg er ein Jahr später ein, als er mit seinem Bruder Helmuth und dem Schulkameraden Karl Vilsecker 1968 die Schülerzeitung Rennbahn-Express ( R-E ) herausbrachte. Die Postille, die heute Xpress heißt, sollte sich in Österreich später sogar zur Konkurrenz für den Teenie-Titel Bravo entwicklen. Vilsecker scheint aber mittlerweile in Vergessenheit geraten zu sein. Während er laut Fidler im Impressum der ersten R-E -Ausgabe Verleger, Eigentümer und Chefredakteur ist, wird er im heutigen Wikipedia-Eintrag nicht erwähnt.
Mit Basta brachte Fellner 1983 ein weiteres Objekt auf den Markt. Das an das legendäre Magazin Twen angelehnte Lifestyle-Heft wurde dann wie auch Xpress an den Kurier-Verlag abgegeben.
1992 ließ Fellner die Info-Illustrierte News folgen. Am Kiosk zwar sehr erfolgreich, wird das Blatt bei Fidler von Kollegen als “unselige Vermischung von Journalismus und Marketing” bezeichnet. Zuletzt, das war 2006, bescherte der “Desperado des gedruckten Wortes” seiner Nation (nach weiteren Magazinen) die Tageszeitung Österreich – mit dem nicht unbescheidenen Anspruch, am Thron des Krone -Verlegers und österreichischen Medienkönigs Hans Dichand zu sägen.
Im Hinblick auf die Krise und offenstehende Kredite weht dem “Möchtegernmonarchen” jedoch nun eine scharfe Brise entgegen, so Fidler. Das muss aber nichts heißen. “Bisher ging es sich noch immer aus” für Fellner, oft schon habe er alle verblüfft.
Der auf rund 270 Seiten Beschriebene durfte das Manuskript lesen – und fand es “rundweg negativ”. Dennoch habe Fellner nur einen kleinen Änderungsvorschlag gehabt: Fidler hatte seine Größe nach mehreren Begegnungen auf 1,68 Meter geschätzt. Er sei aber 1,74 Meter, berichtigt Fellner – mit der Anmerkung “ falls Sie auf korrekte Zahlen Wert legen”. cw
werben & verkaufen, 8. Oktober 2009
852 Tage zuvor | Harald Fidler
"Entzauberter Medienzar"
Harald Fidlers Biografie des Medienmanikers Wolfgang Fellner zeigt österreichische Zustände auf, die jeder Demokratie Hohn sprechen – Von Wolfgang Langenbucher
Was für ein Mensch ist dieser Wolfgang Fellner? Diese Frage begleitet einen bei dem lesenden Gang durch seine von Harald Fidler dicht und bunt beschriebene Welt.
Schon bald drängt sich ein Wort auf, das dann – erlösenderweise – S. 267 fällt, als Zitat aus der Süddeutschen Zeitung: “ein Parvenü”. Auf gut Deutsch: ein Emporkömmling, merkwürdig genug angesichts einer durchaus reputierlichen Herkunft aus einer Professorenfamilie und einer – irgendwie ja bewundernswerten – Karriere als „verlegerischer Wunderknabe” schon in jungen Jahren mit einer Jugendzeitschrift (Rennbahn-Express) und dann über Jahrzehnte mit einer Palette von Magazinen. Dass er nun mit einer Tageszeitung („die Formel 1 des Journalismus, des Verlegertums”, der „Königsdisziplin unter den Druckmedien”) gescheitert ist (denn sein 2006 gegründetes Blatt Österreich ist die Karikatur einer Zeitung und meilenweit entfernt von dem, was er großsprecherisch als Konzept einst ankündigte), hat ihn gründlich entzaubert.
Dass ihm, dem erst 55-Jährigen, schon eine Biografie gewidmet wird, hat seinem Narzissmus und seiner egomanen Eitelkeit aber ridikülerweise so sehr geschmeichelt, dass er an dieser veritablen Hinrichtung, als die sich diese Charakterstudie doch liest, auch noch selbst mitwirkte. Er durfte zum Manuskript Stellung nehmen.
Das war gewiss nicht ungefährlich und hätte Fidler nicht nur – kraft medienjuristischen Beistandes – einige „Geschichten” kosten, sondern das ganze Projekt vereiteln können. Nicht so bei Fellner, dem eine schon alle Grenzen sprengende Gabe der Autosuggestion gegeben ist. Und so begegnet man denn in diesem Buch immer wieder seinen „Zwischenrufen” – damit den Wahrheitsgehalt dieser investigativen Chronik auf grotesk eitle Weise beglaubigend.
So ist also nun autorisiert, dass Wofe, der Österreichs Medienszene über Jahrzehnte immer wieder neu aufgewirbelt hat, alles andere ist als jener Sunnyboy, als den er sich wohl selbst sieht. In der Spiegelung durch viele seiner Mitarbeiter, Wegbegleiter und Freunde, die der Autor zu offenen Gesprächen bewegen konnte („wenn man ihnen zusichert, sie nicht zu nennen”) entsteht das Bild einer wenig sympathischen, aber irgendwie offensichtlich erfolgreichen, faszinierenden und auf brutale Weise einerseits so selbstausbeuterischen wie andererseits motivierenden Persönlichkeit.
Und so begegnet uns dieser journalistisch-verlegerische Macher als Maniker, als Triebtäter mit Bluthundinstinkt, als Studienabbrecher, von Gier nach demonstrativem Reichtum besessen (Villa im 19. in der Himmelstraße, Häuser an den “Hotspots der Reichen und Schönen” in Malibu, Kitzbühel, Ibiza, naturgemäß mit Jacht …), als Großmaul, im Umgang sprachlich ein proletenhafter Choleriker, unkultiviert – nicht nur in seinem Essverhalten, von „umfassender Unbildung”, kumpelhaft anbiedernd und rüpelhaft brüllend … Ein Kapitel ist überschrieben: „Mensch WOLFGANG: Fellner nackt”. Es gilt hinzuzufügen, dass es auch andere Stimmen gibt: dieser vierfache Vater ist ein Familienmensch; er kann rührend besorgt sein um kranke Mitarbeiter; viele sagen: „Er ist ein sozialer Mensch.”
Das mag so sein, aber darum geht es in diesem Buch auch nicht wirklich, sondern darum, was dieser manische Medienmacher in Österreichs Medienlandschaft angerichtet hat. Auch wenn diese Wirkungen seit Jahrzehnten beobachtbar waren und beschrieben wurden, bekommt man erst in einem solchen Buch, in der Addition, in der Bilanz aus der Summe der Einzelheiten einen tiefergehenden, sozusagen analytischen Eindruck. Und der ist erschreckend: auf das Konto der Fellners (die tragende Rolle des immer eher im Hintergrund bleibenden Bruders Hellmuth wird hier auch deutlich) geht eine Verluderung der journalistischen Kultur und ein Niedergang der professionellen Ethik, die schlechthin desaströs sind.
Das weist Fidler an zahllosen Einzelheiten mit der Akribie seiner Recherche nach und schildert es mit dem großen Atem, der ihm das Medium Buch verschafft. Das Kapitel „ÖSTERREICH: Zeitung sucht Land” führt in die unmittelbare Gegenwart und öffnet den Blick in schaudernde Abgründe – den aller Demokratie Hohn sprechenden Filz von Politik und Fellnerismus, der im Faymannland zum Alltag geworden ist. Darin ist dieses Buch mehr als die Biografie einer Person – es ist die Diagnose der niederschmetternden politischen Zustände dieses Landes.
Album, Wochenendbeilage des Standard, am 3./4. Oktober 2009
852 Tage zuvor | Harald Fidler
"Lesenswert!"
Die Welt des Wolfgang Fellner
Der Autor: eine Instanz. Sein Thema: der Medienmacher Wolfgang Fellner. Das neue Oeuvre von Medienbeobachter und Standard-Redakteur Harald Fidler will die Welt des Wolfgang Fellner beschreiben – und erzählt dies in einer Unzahl von G’schichten und G’schichterln sowie Analysen. Kapitelüberschriften wie etwa „Auf der RENNBAHN“, OverNEWSed“ und „Österreich: Zeitung sucht Land“ schlagen den Ton an – wie Fidler im Vorwort einräumt: „Wolfang Fellner fand das Manuskript rundweg negativ.“ Was also bleibt von 271 Seiten – vor allem ein Stück österreichische Mediengeschichte, sehr detailverliebt nacherzählt. Eine Seite des WoFe bleibt eigentlich unbeleuchtet: Jene Psychologie, die „Entrepreneurs“ nicht nur am Ergebnis ihrer Handlungen oder gar in Geldbeträgen erklären kann. Lesenswert!
859 Tage zuvor | Harald Fidler
"Wirtschaftsschocker über Verhaberung, Unverfrorenheit und die österreichische Sozialdemokratie"
Die Biographie über Wolfgang Fellner, den Gründer von Basta, News und Österreich, liest sich nicht nur als packender Beitrag zur hiesigen Mediengeschichte – sie ist auch ein unterhaltsamer „Wirtschaftsschocker“ über Verhaberung, Unverfrorenheit und die österreichische Sozialdemokratie.
Meine Lieblingsanekdote: In seiner Zeit als – letztlich wenig erfolgreicher – Radiomacher soll Wolfgang Fellner die Musikredaktion der Antenne Wien angewiesen haben, aus allen Songs eine Minute herauszuschneiden, um damit die Hit-Dichte gegenüber der Konkurrenz von durchschnittlich zwölf auf dreizehn Gassenhauer zu erhöhen. Das würde eh niemandem auffallen. Weil eh keiner Englisch versteht.
Harald Fidlers Biographie über Wolfgang Fellner („WoFe”) besteht natürlich aus weit mehr als aus aneinander gereihten Anekdoten. Doch diese Begebenheit in ihrer ungewohnten Unbeholfenheit verdeutlicht, was „Österreichs manischer Medienmacher“ von seinen Hörern und Lesern hält: Er hält sie für ungebildete Deppen. Da mag er noch so oft behaupten, man müsse in seinem Metier die Menschen lieben. Seine Masche ist und bleibt dabei: Er kennt keinen Genierer, der breiten Masse – die er bloß als Anhäufung von Konsumenten, nie als mündige Bürger ernst nimmt – das zu geben, wonach sie giert. Aufklärung? Maximal, wenn ein Skandal die nötige Auflage bringt. Generell ist es meistens lukrativer, mit Managern und Mächtigen Gegengeschäfte zu machen, als gegen die Starken auf Seiten der Schwachen Stellung zu beziehen. So erzählt er den Menschen, was sie lesen wollen – und sehr oft von jenen, die fleißig Anzeigen buchen. Wohl nicht zuletzt, um günstig ins Licht gerückt zu werden.
Fidler, sonst Medien-Journalist der Tageszeitung Der Standard und Fellners erster Biograph, fasst das bewährte Erfolgsrezept WoFes zusammen: „Wolfgangs wilde Wut beim breitenwirksamen Inszenieren von Storys und Skandalen, echten und dazu erhobenen, beim Einspannen von Promis, beim Vorausschreiben von Ereignissen. Gepaart mit seinem manischen Marketingtrieb, unterstützt durch seinen Bruder. Helmuths Beharrlichkeit, potenzielle Werbekunden zu überzeugen, wobei Helmuth sich stets auf redaktionelle Rückendeckung des älteren Bruders verlassen kann.“ So funktioniert das bereits beim Rennbahn Express, den das blutjunge Salzburger Brüderpaar in den 70er Jahren zur damals tonangebenden Jugendzeitschrift des Landes machte. Es funktioniert bei Basta, News und TV-Media. Bei E-Media, davor einigermaßen bei Format, nun eher nicht so ganz beim täglichen Billigblatt Österreich.
Fidler beschreibt den Choleriker WoFe vor allem als genialen Marketingmann, als Meister der self-fulfilling prophecies: der seine wirtschaftlichen, journalistischen und also wieder wirtschaftlichen Erfolge so unverfroren behauptet und herbei schreibt, bis sie ihm alle dann irgendwie doch abnehmen, selbst dazu beitragen, erfüllen helfen. „Krawall-Journalismus“, nannte des ORF-Mann Armin Wolf einmal treffend. Als roter Faden durch alle von Fellners meist sehr lukrativen Aktivitäten zieht sich dabei die SPÖ – besonders das langjährige Win-Win-Gegengeschäft mit dem gern und üppig Anzeigenseiten buchenden nunmehrigen Bundeskanzler Werner Faymann.
„Österreichs manischer Medienmacher“ liest sich flott. Es wird zwischendurch sehr speziell – etwa wenn die sozialen Leserschichten einzelner österreichischer Magazine miteinander verglichen werden – bringt aber neue Facetten über einen in all seiner Ambivalenz letztlich doch faszinierenden, komplex gestrickten Medienmanager. Also eine unterhaltsame Pflichtlektüre für Medienmenschen und politisch Interessierte. Was diesem Buch aber definitiv fehlt: ein Glossar. Die meisten Einträge fänden sich unter den Namen der üblichen Verdächtigen: Niki Lauda, André Heller, Peter Pilz, Vera Russwurm, Jörg Haider, Helmut Zilk und Werner Faymann.
Thomas Weber, the gap, Oktober 2009
859 Tage zuvor | Harald Fidler
"Das System Fellner"
“Ich war schon immer beseelt, eine Zeitung zu machen”, sagt Wolfgang Fellner im neuen Buch “Österreichs manischer Medienmacher” über sich selbst. Und Harald Fidler, Medienredakteur des “Standard” und Autor dieser Biografie, versucht auf 272 Seiten den Nachweis dafür zu bringen, dass Fellner zu Recht von “machen” und nicht von “schreiben” gesprochen hat.
Vom fellnerschen Erstblatt, dem noch in Salzburg vom Schüler Karl Vilsecker erfundenen “Rennbahn Express” über “Basta”, “News” und “TV-Media” bis zur Tageszeitung “Österreich” zieht sich das “Machen” durch wie ein roter Faden. Fidler beschreibt, wie es Fellner immer wieder gelungen ist, mit viel Arbeit, noch mehr Marketing und einem hervorragenden Gespür für Marktlücken verlegerischen Erfolg an Erfolg zu reihen. Fidlers These: Fellner kopiert seit Jahrzehnten die Rezepte aus seiner Schülerzeit: Beigaben zur Zeitung, Gutscheine, Gewinnspiele, Superlativ-Sprache (“exklusiv, die Ersten, die Besten”), Eigenlob en masse. Die Editorials des Schülerzeitungsmachers Wolfgang Fellner vor knapp 40 Jahren lesen sich nicht viel anders als die des “Österreich”-Herausgebers von heute. Nur diesmal scheint sich der Erfolg nicht so recht einzustellen.
Fidler zeigt die mitunter fragwürdige Methoden Fellners bei der Anzeigen-Akquise auf und beleuchtet den in Fellner-Blättern selbst mit Fäustlingen greifbaren Zusammenhang zwischen Inhalten und Inseraten. Das System Fellner und dessen bisheriger Erfolg beruht mehr auf genialem Leser- und Anzeigenmarketing denn auf journalistischen Glanzleistungen. per
Salzburger Nachrichten, 26. September 2009
859 Tage zuvor | Harald Fidler
"Infam oder viel zu zahm?"
Die Verlagsgruppe Styria lud zu einer Diskussion anlässlich der Präsentation ihres neuen Buches: ‚Österreichs manischer Medienmacher‘ – Harald Fidler über die Welt des Wolfgang Fellner
Die Stimmung im Publikum war wie vor einer Kabarettpremiere. Am Podium: Buchautor, Buchinhalt und Wegbegleiter desselben: Standard-Redakteur Harald Fidler, Österreich-Herausgeber und Vielfach-Magazin-Gründer Wolfgang Fellner sowie sein langjähriger Wegbegleiter Michael Grabner und der jetzige Vorstandsvorsitzende der Verlagsgruppe News, Oliver Voigt. Einer war angesagt, aber verhindert, ein echter Widersacher nämlich: Styria-Chef und Verlegerpräsident Horst Pirker. Der Umstand, dass das Aufeinandertreffen Pirker-Fellner ausblieb, nahm dem Abend viel an Dramatik – was stattdessen stattfand, war ein joviales, freundliches, mit feiner Klinge und vielen guten „Sagern“ geführtes Gespräch.
Ein Match-Bericht zur Halbzeit?
Streichelweich mit einigen bissigen Randbemerkungen gab sich Fellner gegenüber Buchautor Harald Fidler. Zum einen predige Fellner seinen Sportreportern, sie dürfen niemals einen „Match-Bericht zur Halbzeit schreiben“ – und als solchen empfinde er Fidlers Werk. „Ich war sehr überrascht, dass jemand über mich – im Alter von 54 Jahren – ein 300-Seiten-Buch füllen kann, und bewundere den Autor für die Leistung, mein gesamtes Lebenswerk in der österreichischen Nationalbibliothek durchforstet zu haben.“ Nachsatz: „Das grenzt an Masochismus.“ Fellner attestiert Fidler besonders im Umgang mit seinen kritischen Anmerkungen angesichts der zu einer – nicht erfolgten – Autorisierung vorgelegten Erstfassung „ein großes Maß an Fairness, soweit dies dem Herrn Fidler innewohnt“, kommt aber – sehr zum Gelächter des Publikums – zum Schluss: „Ich hätte das Buch ganz anders geschrieben.“ Ernster Kritikpunkt: Zu wenig komme das gesellschaftliche Umfeld, aus dem etwa die Gründung von Rennbahn-Express oder Basta hervorgingen, vor – Fellner nennt es übrigens die „Generation von Kreisky bis Falco“.
Medienberater Michael Grabner auf die Frage des Moderators, Johannes Bruckberger, stellvertretender Chefredakteur der APA, was an Wolfgang Fellner gemäß Buchtitel denn „manisch“ sei: „Erfolgreichen Medien-Machern muss ein gewisses Maß an Extravaganz innewohnen, sie sind keine angepassten Menschen. Das hat sehr viel mit dem ungeheuren Arbeitseinsatz, mit der hohen Verantwortung und damit, dass sie ihr Leben ihren Medien opfern, zu tun. Sonst ist man nicht erfolgreich in dem Geschäft.“ Oliver Voigt hingegen räumte mit einem Mythos auf: Dass nämlich die Verlagsgruppe News, nachdem die Fellners an Gruner + Jahr verkauft haben, im Argen gelegen habe. „Gründern steht es zu, ihre Gründungen zum bestmöglichen Zeitpunkt und zum bestmöglichen Preis an jemanden zu verkaufen, der nicht so schlau war, selbst zu gründen“, so Voigt. Fellner schießt nach: „Der News-Verlag ist heute mehr wert als zu der Zeit, wo wir ihn verkauft haben. Vor allem wegen der Gründungen, die nach dem Verkauf erfolgt sind: Format oder der Jackpot Woman.“ Ernste Töne wurden angeschlagen, als Moderator Bruckenberger ein Zitat des abwesenden Pirker von der VÖZ-Generalversammlung zum Besten gab. Der Verlegerpräsident sprach von „Freundschaft über mehr oder minder sanften Druck bis hin zur Erpressung“ sowie „vorauseilender Bereitschaft zum Verkauf journalistischer und ethischer Standards“. Harald Fidler, um eine Interpretation gebeten, meinte sinngemäß, damit könnten fragwürdige journalistische Darstellungen gemeint sein – man erinnere sich an den Geiselnehmer mit genässter Hose – oder aber auch die Verquickung redaktioneller Inhalte mit dem Anliegen von Werbekunden beziehungsweise von öffentlichen Institutionen wie Ministerien, der Asfinag oder der ÖBB. Fellner konterte kühl, hier müsse jeder vor seiner eigenen Türe kehren – mit besonderem Hinweis auf die viel diskutierte ÖIAG-Kooperation in der Presse, deren Herausgeber Styria-Chef Pirker ist. Fellner sprach auch Pirkers Kampf gegen den Journalisten-Kollektivvertrag an und meinte: „Wenn jemand dem Journalismus in diesem Land Schaden zufügt, dann der Herr Pirker, nicht ich.“
Was von diesem Abend blieb: die Erinnerung an eine streichelweiche, amüsante Diskussion, in der zentrale ethische Fragestellungen der Medienwirtschaft zwar gestreift, aber – manchmal zum merklichen Ärger des Publikums – eher nonchalant vom Tische gewischt wurden. Und: Der Beweis, dass „der manische Medienmacher“ mit Kritik sehr gut, kontrolliert und humorvoll umgehen kann – zumindest an diesem Abend in der Buchhandlung Thalia in der Mariahilfer Straße. sl
Horizont, 25. September 2009
859 Tage zuvor | Harald Fidler
"Vom Sockel gerissen?"
Schon im Vorwort zu „Österreichs manischer Medienmacher“ (Styria Verlag, 269 Seiten, 24,95 Euro) muss Harald Fidler zwei Einschränkungen machen: „Intimsphäre“ Berührendes hätte er nicht verwendet (dennoch heißt das Schlusskapitel „Mensch Wolfgang: Fellner nackt“). Und: „Einige, die mit ihm gearbeitet haben, fanden eher zu mild, zu freundlich, was die Medienjuristen übrigließen.“ Dieses Kapitel würde ich gerne lesen. So wie ein Kapitel zu einem Stichwort, das sich zwar durch das ganze Buch zieht, aber nie wirklich greifbar wird: „Prozess“.
Als Harald Fidler 1969 geboren wurde, machte WoFe bereits seit drei Jahren in Salzburg den Rennbahn-Express. Fidler hat als Leser Anfang der 80er-Jahre bei Basta seinen ersten echten Fellner kennengelernt. Die finsteren 60er-Jahre – geistig, architektonisch und politisch sowieso –, das erste kleine Licht nach Kreiskys Wahlsieg, Farbfernsehen und Sonntags-Krone, Staberl als Superstar – das alles ist „History“ für den Autor, was dem ersten Part anzumerken ist. So bleiben die Jahre des – besser der beiden – jungen Fellner (denn wie wichtig Bruder Helmuth ist, arbeitet Fidler sehr genau heraus) leider buchstäblich im Dunkeln.
Dabei ist die konzise Beschreibung und akribische Recherche Fidlers ganz nah dran an der „Manie“: WoFe hat sich und seinen Journalismus selbst erfunden – oder einfach importiert (beides für die Zunft weitgehend uninteressant). Und: Der Mann ist seit 40 Jahren „sein eigener Chef“ – und wenn er es mal nicht war, war er ganz schnell wieder weg.
Was Fidler schafft: ein Stück (Medien-)Kulturgeschichte für den gelernten Österreicher verständlich und sehr g’schmackig aufzubereiten. Chapeau dazu – und: absolut lesenswert! hs
Horizont, 25. September 2009
859 Tage zuvor | Harald Fidler
"Ein "täglich Alles" der Nullerjahre"
Er zählt zu den erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Zeitungs- und Illustriertenverlegern des Landes: der gebürtige Wiener Wolfgang Fellner. Ein halbes Dutzend Illustrierte hat Fellner in den 80er- und 90er Jahren gegründet, darunter die Infotainment-Magazine „Basta“ und “News“. Mit der Tageszeitung “Österreich” – 2006 aus der Taufe gehoben – hatte Fellner weniger Glück. Das Boulevard-Blatt will weder, was die Verkaufsauflage, noch was das Inseratenvolumen betrifft, so richtig in die Gänge kommen. Wolfgang Fellner und sein Bruder Helmuth haben aber auch eine neue, zeitgemäße Form des Revolverjournalismus salonfähig gemacht in Österreich, konstatieren Kritiker. Der Medienjournalist Harald Fidler hat im Styria-Verlag nun eine kritische Biographie über den „manischen Medienmacher“ Wolfgang Fellner vorgelegt. Günter Kaindlstorfer hat sie gelesen.
„Für Ihre Schönheit im September empfiehlt sich FRISIERSALON IRIS – im neuen Geschäftszentrum am Ignaz-Rieder-Kai bei der Rennbahnsiedlung.“ Das war der handgemalte Text des allerersten Inserats, das die Gebrüder Fellner für eines ihrer Blätter aquiriert haben – 1969 für die hektographierte Ausgabe einer Salzburger Schülerzeitung namens „Rennbahn-Expreß“. Das Blatt sollte bald einen schwunghaften Aufschwung nehmen und in den 70er Jahren zu Österreichs führender Jugend-Illustrierter avancieren. Wolfgang Fellners Hang zu aggressivem Marketing und schmissigem Revolverjournalismus kam schon zu „Rennbahn-Expreß“-Zeiten zum Tragen, weist Harald Fidler in seiner lesenswerten Biographie nach. Insofern ist sich „Wofe“, wie Freunde und Kollegen den Yellow-Press-Tycoon nennen, bis heute treu geblieben.
OT Harald Fidler:
„Wolfgang Fellner ist ein manischer Mediengründer, ein journalistischer Triebtäter mit Bluthundinstinkt.“
Erfolgreicher Zeitungsgründer oder Citizen Kane für Arme? Harald Fidler zeichnet das bewegte Leben des Wolfgang Fellner in seiner erfrischend süffigen Biographie auf mehr als amüsante Weise nach. Wir erfahren einiges über die verlegerischen Anfänge des Salzburger Professoren-Sprosses, der schon für die ersten Ausgaben seiner auf Wachsmatritzen gefertigten Schülerzeitung zugkräftige Gewinnspiele ersann; wir erhalten faszinierende Einblicke in die Karriere von Fellner-Gattin Uschi, die als Bikini-Model für den „Rennbahn-Expreß“ begann und zu Wolfgangs Ehegespons und zur Soft-Themen-Beauftragten seiner Magazine avancierte; wir werden über Fellners Affinität zur SPÖ ins Bild gesetzt, die sich zu zwanzig Prozent ideologischer Sympathie und zu achtzig Prozent kommerziellem Kalkül zu verdanken scheint.
OT Harald Fidler:
„Wichtigster Anzeigenkunde des ,Rennbahn-Expreß´ waren schon Firmen und Institutionen aus der roten Reichshälfte, also aus dem Umfeld der SPÖ – wie Bawag, Zentralsparkasse, verschiedene Ministerien und die Partei selbst. Diese Entwicklung zieht sich durch Fellners gesamte Medienkarriere – bis hin zu „Österreich“ heute, wenn Sie sich anschauen, welche Institutionen heute stark in „Österreich“ investieren, dann ist das zum Beispiel die Gemeinde Wien, dann sind das Ministerien wie das Verkehrsministerium oder andere rot dominierte Ministerien bis hin zu ASGINAG und ÖBB. Im Gegenzug liest man in „Österreich“ dann Interviews mit dem Bundeskanzler, in denen er als Polit-Genie und unglaublich sympathisch dargestellt wird.“
Anfang der 80er Jahre begannen Wolfgang Fellner und sein Bruder Helmuth mit der Infotainment-Illustrierten „Basta“ die verschnarchte österreichische Zeitungslandschaft von damals aufzumischen. Es folgte die Gründung von Zeitschriften wie „News“, „tv-Media“, „Format“ und „Woman“ – allesamt sehr erfolgreich. Dabei hat das Wirken der Fellner-Brothers von Anfang an immer auch Kritiker auf den Plan gerufen. Fellner habe „Österreich mit einem Ozean von publizistischem Schlamm“ überzogen, krisierte etwa „Falter“-Herausgeber Armin Thurnher in der jüngsten Ausgabe seines Blatts, Fellner habe maßgeblich zur „Verheerung“ der österreichischen Medienlandschaft beigetragen. Harald Fidler teilt die Stoßrichtung dieser Kritik, formuliert es aber etwas anders.
OT Harald Fidler:
„Ich würde nicht von Verheerung oder Verwüstung sprechen, aber Wolfgang Fellner hat sehr wohl journalistische Standards herabgesetzt, zum Beispiel den Standard, Redaktion und Anzeigengeschäft zu trennen, zum Beispiel die Trennung von Redaktion und Marketing, zum Beispiel eine gewisse Unabhängigkeit von der Politik.“
„Fellnerismus“ wird dieser Verlotterung der journalistischen Sitten gern genannt. Eines scheint der Fellnerismus allerdings nicht zu entfalten: Nachhaltigkeit. Wolfgang Fellner scheint von einer, man möchte sagen, bizarren Gründer-Manie erfüllt. Kaum hat er ein Magazin, eine Zeitschrift, eine Verlagsgruppe aufgebaut, muß er sie wieder zerstören, um an ihrer Stelle etwas Neues aufzubauen.
OT Harald Fidler:
“Fellner gründet immer wieder neue Titel, er pusht sie mit aggressivem Marketing zu hohen Umsatz- und Leserzahlen, und dann, so hat man den Eindruck, wird ihm die Sache langweilig. Er verkauft seine Blätter dann zu – für ihn – äußerst vorteilhaften Konditionen und gründet neue Blätter, mit denen er den alten Konkurrenz macht und sie vielfach in Grund und Boden konkurrenziert. Woher dieser Drang zum manischen Mediengründen kommt? Ich weiß es nicht. Ich glaube, es wird ihm einfach langweilig.“
In diesem Punkt erinnert Fellner an Jörg Haider, der von einem vergleichbaren Drang erfüllt schien, mühsam Erreichtes über kurz oder lang wieder kaputt zu machen. Daß es das Fellner-Blatt „News“ war, das Haider in den 90er Jahren Dutzende Male aufs Cover hob und ihn dadurch zur Lifestyle-Ikone mit feschistischem Rebellen-Touch stilisierte, paßt ins Bild.
Harald Fidler hat für die Arbeit an seiner Biographie mehrere Interviews mit Wolfgang Fellner geführt, er hat mit Weggefährten, Kritikern und Kollegen des Illustrierten-Machers gesprochen. Eines wird dabei schnell deutlich: Als Chef ist Wofe, der bullige Choleriker mit der kumpelhaften Attitüde, nicht unbedingt ein Haupttreffer.
OT Harald Fidler:
“Wolfgang Fellner ist aus meiner Sicht nicht unbedingt der ideale Chef für Journalisten. Er schreibt Geschichten um, schreibt sie neu, er weiß im vorhinein, wie Geschichten laufen sollen, noch bevor die Recherche begonnen hat. Und sein Umgangston ist auch nicht unbedingt das, was man als angenehm, freundlich und entspannt bezeichnet.“
Wolfgang Fellners Redigierfreude ist berüchtigt. Texte von Reakteurinnen und Redakteure werden oft bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben, nachgebessert, aufgepeppt. Was Fellner eine „Lulu“-Geschichte zu nennen pflegt, erfahren wir in Fidlers Buch, eliminiert der Verleger gern persönlich mithilfe der sogenannten „Apfel-a-Methode“: Mit der Tasten-Kombination „Apfel a“ markiert Wofe persönlich den fertigen Artikel eines Schreibsklaven, um den Text alsdann mit der „Delete“-Taste ins journalistische Nirwana zu befördern. Fellner setzt sich dann an den PC, um den Artikel so umzuschreiben, wie er seiner Ansicht nach umgeschrieben gehört. Nicht unbedingt das, was man sich unter journalistischer Selbstverwirklichung vorstellt, zumindest nicht für Redakteure mit einem Mindestmaß an Selbstachtung.
Harald Fidlers Buch bietet intime und intimste Einblicke ins Innere des Fellner-Imperiums. Das reicht bis zu – den Ernährungsgewohnheiten des Chefs:
ZITAT:
„Und was isst Wolfgang Fellner? Wurstsemmel, Mannerschnitten, Cola Light galt bei „News“ als Einsermenü des Magazinmachers… Bei seinen Illustrierten war er dafür berüchtigt, praktisch jede herumstehende Cola-Flasche zu schnappen, wem immer sie gehört, kurz mit der Handfläche übers Mundstück zu wischen, und zumindest einen kräftigen Schluck zu nehmen. Snacks von Mitarbeitern sollen ebenso wenig vor dem Herausgeber sicher gewesen sein. Ob Tramezzino oder Text: Was dir gehört, gehört auch mir, und ich kann damit machen, was ich will. Redaktionsführung nach Gutsherrenart.“
In Harald Fidlers Biografie bekommt Wolfgang Fellners Bild einige Schrammen ab. Fellners Boulevard-Blatt “Österreich”, so erfahren wir, kämpft mit massiven Finanzproblemen, ist bei weitem nicht so erfolgreich, wie sich der Printmagnat das bei der Gründung 2006 erwartet hat. Ein „Qualitätsblatt“ hat Fellner damals versprochen, eine Tageszeitung neuen Typs, ein tägliches Magazin, an dem sich die Inserenten gar nicht sattbuchen könnten. Herausgekommen ist dann doch nur ein „täglich alles“ der Nullerjahre. Auch erfolgreiche Tycoons können scheitern: wie tröstlich.
Kontext, 25. September 2009
865 Tage zuvor | Harald Fidler
Apfel-A für Lulu und Vollschas! Leben und Werk des WoFe
Apfel-A für Lulu und Vollschas! Leben und Werk des WoFe
Harald Fidler, Medienredakteur und Kenner der Szene, porträtiert den Mediengründer Wolfgang Fellner als manisches, rüpelhaftes Wesen
Rezension: Armin Thurnher
Kann man einem Mann, der Österreich in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit mit einem Ozean von publizistischem Schlamm überzogen hat, wie man früher einmal gesagt hätte, im anekdotischen Plauderton begegnen? Kann man einem Kerl, der die Sitten einer gewiss nicht höchsten moralischen Ansprüchen genügenden Publizistik noch einmal drastisch versaute, mit coolem Referieren biografischer Fakten begegnen? Und soll man einen Verleger, der mit seinem Tun zwar gesellschaftlichen Schaden angerichtet, zur Monopolisierung Wesentliches beigetragen hat, dafür aber mit ein paar Villen und einem dreistelligen Millionenvermögen davonkam, auch noch in guter journalistischer Art selbst zu dem kritisch über ihn Gesagten Stellung nehmen lassen? Wäre so einem gegenüber nicht eher eine Philippika angebracht, biblischer Zorn, eine Verwünschung, oder, vielleicht noch besser, eine satirisch präzise, selbstverständlich nur metaphorische Hinrichtung?
Harald Fidler, der faktensicherste Medienjournalist Österreichs, Chronist des täglichen Medienwahnsinns im Standard, hat vor kurzem eine Enzyklopädie des hiesigen Medienunwesens vorgelegt (Österreichs Medienwelt von A bis Z, Falter Verlag). Nun porträtiert er Wolfgang Fellner als manischen Medienmacher. Fellner hat mit der Schülerzeitung Rennbahnexpress, mit dem Magazin Basta, später mit News, Woman und TV-Media, zwischendurch als Manager des Kurier und dann als Gründer der Tageszeitung Österreich zur Verheerung der hiesigen Medienlandschaft nachhaltig beigetragen. Wie sich das im Einzelnen zugetragen hat, erfährt man bei Fidler. Fellner durfte das Manuskript lesen und kommt mit kritischen Einwürfen zu Wort.
Man erfährt alle biografischen und auch verlagstechnischen Details des Fellner’schen Wesens und Wirkens. In der Gesamtschau der unappetitlichen Details entfaltet das eine gewisse Wucht, wenngleich Fidler über das biografische Detail nicht hinausgelangt. Man mag wissen wollen, dass Fellner eine Lulu-Geschichte, also eine nicht so gute, die ihm jemand aus der Redaktion vorlegt, mit Apfel-A markiert, vollständig löscht und dann selbst ganz neu schreibt. Aber dann möchte man nicht nur die Anekdote lesen, sondern auch das Urteil, dass es sich dabei um das Ende des zivilisierten Journalismus handelt.
Falter, 23. September 2009
Anm.: Ich denke, die Leserinnen und Leser können sich auf der Basis meiner Infos schon ein Urteil bilden. Wenn nicht, hilft Armin Thurnher ja, auch mit dem einen oder anderen Zitat im Buch.
865 Tage zuvor | Harald Fidler
Der Online-Matchbericht des "Extradienst"
NEWS: Haider Forever
Und wieder ein NEWS-Titelblatt für Jörg Haider selig. Die Info-Illustrierte veröffentlicht Akten zu Haiders tödlichem Unfall…
Und ruft damit die Schwester des verstorbenen Charismatikers auf den Plan.
Die eilig einberufene Pressekonferenz Ursula Haubners ist in diesen Minuten im Gange.
Derweil rechnet NEWS-Chefredakteur Atha Athanasiadis wohl wieder mit einem top-verkaufenden Haider-Cover.
Haider kam auch gestern im Zuge der Präsentation des neuen Harald Fidler Buches über Wolfgang Fellner zur Sprache.
WoFe wisse einiges über Haider… Aber das behalte er für sein eigenes Buch in Talon…
Dieses gedenke Fellner so in fünf oder zehn Jahren zu schreiben… Und dessen Inhalt werde wohl ein wenig anders geraten.
Es sei löblich – so Fellner – Marketingmaßnahmen des seinerzeitigen RennbahnExpress superdetailliert anzuführen. Aber eher mäßig spannend. Fellner sei bei Seite 100 des fidlerischen Buches eingeschlafen…
Spannender findet Fellner da schon journalistische Coups, die er als Journalist und Verleger geliefert habe. Stichworte: Outing Olahs als leiblicher Vater Kurt Falks. Lucona. BAWAG- Karibikgeschäfte. Und so weiter…
Überhaupt sei Anzeigen-Akquise seine Sache nicht. Wenn man wirklich Großanzeigen-Verkäufer vor den Vorhang bitten möchte, sollte man auch mal an Armin Thurnher denken. Wissend, dass dieser diesbezüglich nicht so gerne öffentlich in Erscheinung trete.
Eine deftige Breitseite ritt WoFe auch gegen Styria respektive Horst Pirker. Dieser – eigentlich fürs Podium vorgesehen und als erster zugesagt – war durch ein Begräbnis verhindert. Pikant: Styria fragte bei Fidler an, ob dieser nicht über Fellner publizistisch tätig werden wolle…
Nach einem ersten kleinen Scharmützel mit Oliver Voigt über den seinerzeitgen NEWS Verkauf an Gruner & Jahr unterstützten sich der alte und der neue NEWS-Chef argumentativ in kongenialer Art und Weise.
Zusätzliche Schützenhilfe kam von Medien-Grandsigneur und Fellner-Freund Michael Grabner. Da blieb nicht mehr viel Platz für kritische Diskussion und für Fragen aus dem Podium schon gar keine Zeit mehr.
Resümee: Alles Paletti in der heimischen Printlandschaft. WoFe hat nach allen Seiten ausgeteilt und ging als sympathisch rüberkommender (wenn auch ein wenig zynisch-ätzender) Winner aus der gut und prominent besuchten Veranstaltung.
Johannes Hofer, Chefredakteur, für extradienst.at, 23. September 2009
865 Tage zuvor | Harald Fidler
"Die Welt des Wolfgang Fellner – wie Harald Fidler sie sieht"
Die Welt des Wolfgang Fellner – wie Harald Fidler sie sieht
Stimmt schon: „Die Auseinandersetzung ist zu führen“, sagte Gerda Schaffelhofer, Geschäftsführerin des Styria-Buchverlages, als sie in Wien die Präsentation des Buches „Österreichs manischer Medienmacher. Die Welt des Wolfgang Fellner“ eröffnete. Der anerkannte Medienjournalist Harald Fidler, hauptberuflich für den Standard tätig, hatte in akribischer Kleinarbeit Fakten über Wolfgang Fellner zu einem lesenswerten Band zusammengefügt. Der Bogen darin spannt sich über Fellners bisheriges Leben, aus dem Fidler „einiges an Konstanten“ herausdestillierte. Genau um diese ging es dann in der eingangs angekündigten Auseinandersetzung, die Fellner und Fidler als beschriebene Person und als Autor des Buches führten.
Die beiden haben um das Buch gerungen. Fidler wollte „ein möglichst wahrheitsgetreues Buch“ über Wolfgang Fellner schreiben. Also sollte Fellner alles lesen und die Gelegenheit erhalten, zum kritischen Blickwinkel des Autors seinen positiven einzubringen. Die Folge waren Kürzungen und Streichungen, die dem guten Band keinen Abbruch tun. Fidler hat ausreichend Material gesammelt und geordnet präsentiert, damit sein kritischer Blick auf Fellner ersichtlich wird. Denn die „Konstanten“ im Leben des Medienmachers seien, so Fidler: übermäßiges Marketing, zugespitzter Journalismus, eine Wechselwirkung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung sowie eine Nähe zur Sozialdemokratie. So sieht Fidler eben Fellners Welt, doch der sieht sie anders.
Zuvorderst sei es zu früh, über sein Lebenswerk zu urteilen, denn dieses sei keineswegs abgeschlossen, konterte Fellner. Dem Buch würde zwar Fairness innewohnen, was er auch schätze, aber einiges musste doch entfernt werden. Und überhaupt hätte er das Buch ganz anders geschrieben, nämlich weniger über das Marketing, sondern mehr über den Journalismus, den er, Fellner, betrieben habe. Immerhin habe ihm, Fellner, Bruno Kreisky einiges über Noricum (einen Waffenskandal) anvertraut, habe ihm Hans Dichand ein zur Lösung des Verhältnisses mit Kurt Falk führendes Interview gegeben und zudem habe er, Fellner, mit seinem Team an News-Journalisten etwa die Verschiebung von Bawag-Geldern in die Karibik aufgedeckt.
So ist die Welt des Fellner, wie er sie sieht.
Der harte Kern der Auseinandersetzung zwischen Fellner und Fidler gilt nicht nur den Methoden des Geschäftes und des Journalismus, sondern der Lebensbilanz von Fellner. Ihm sagt man nach, ohne Stil und ohne Sinn für Publizistik anzeigenorientierte Printmedien zu gründen und gewinnbringend zu verkaufen. Ob das auch für Österreich gilt, ist noch offen, sagt Fidler. Für ein Urteil sei es zu früh, sagt Fellner. Aber in der Zeit bis dahin sollte man Fidler lesen. (c.r.)
Die Furche, 23. September 2009
865 Tage zuvor | Harald Fidler
"Der Desperado des gedruckten Worts"
Der Desperado des gedruckten Worts
Mit einer unautorisierten Biografie über Wolfgang Fellner beschreibt Harald Fidler nicht nur einen Medienmacher, der im Superlativ lebt, sondern auch den heimischen Journalismus.
UTE BAUMHACKL
Eine der erstaunlichsten Karrieren des heimischen Medienwesens nahm ihren Lauf, weil es am 19. September 1968 in Salzburg regnete.
In seinem Kinderzimmer konzipierte an diesem trüben Nachmittag der damals knapp 14 Jahre alte Wolfgang Fellner mit einem Schulfreund den Rennbahn-Express, eine handgeschriebene Schülerzeitung, Auflage: zehn Stück, die die Buben á 2,50 Schilling in der Salzburger Rennbahnsiedlung verkauften. Harald Fidler, Medien-Redakteur der Tageszeitung Der Standard, hat diese Anekdote nicht von ungefähr in sein Buch über “Österreichs manischen Medienmacher” aufgenommen.
Anhand des Rennbahn-Express, der von Fellner und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Helmuth innerhalb weniger Jahre zu Österreichs größter Jugend-Postille gepusht wurde, beschreibt Fidler in schöner ironischer Distanz das Prinzip, nach dem Fellner seither alle seine Zeitungsgründungen durchgezogen hat: Basta, News, tv-media, e-media, Woman – und er legt dar, warum dieses Erfolgsrezept bei Fellners jüngstem Projekt, der Tageszeitung Österreich, nicht mehr so reibungslos funktioniert hat.
Selbstbejubelung in Superlativen, Beigaben vom Papier-Bikini bis zu “Gratis”-Computern und Autobahnvignetten, Gewinnspiele, die Verknüpfung von Annoncen und redaktionellen Inhalten, Gegengeschäfte, Preisschlachten, “Exklusiv”-Geschichten, Umfragen, Rankings zum Saufüttern – akribisch recherchiert beschreibt Fidler Fellners Prinzip der willentlichen Vermanschung von Journalismus und Marketing; und damit ein “Medienphänomen, das immer wieder journalistische Standards unterboten hat und unterbietet”.
Dass Fellner mit seinen Blättern die österreichische Medienszene wesentlich verändert und geprägt hat, wird dabei ebenso offensichtlich wie sein Gespür fürs Geschäft und für geile Geschichten – detto sein immer wieder vollmundig formulierter, aber nie eingelöster Qualitätsanspruch.
Gewünscht hätte man dem Autor ein etwas strengeres Lektorat und der Leserschaft noch mehr Details über die finanziellen und politischen Deals des medialen Kraftmenschen. Insgesamt ein erhellendes Buch, nicht nur über “News” und “Österreich”, auch über Nachrichten und Österreich. Oder, in Wolfgang Fellners Worten: SO IRRE IST UNSERE MEDIENSZENE!!!!!!
Kleine Zeitung, 20. September 2009
865 Tage zuvor | Harald Fidler
Tipp des Tages
Tipp des Tages
Österreichs manischer Medienmacher – In seinem jüngsten Buch befasst sich Harald Fidler mit dem österreichischen Medienmacher Wolfgang Fellner und wirft einen Blick hinter die Kulisse des Mannes, auf dessen To-do-Liste sich Medien vom Rennbahn Express über News, tv-media und Woman bis hin zu Österreichs jüngster Tageszeitung Österreich finden, die er in nicht gerade wirtschaftlich leichten Zeiten auf den heimischen Markt geworfen hat.
Auf knapp 270 Seiten gibt es laut Buchumschlag „Maschen, Menschen, Macken und Methoden“ rund um Wolfgang Fellner.
medianet, 22. September 2009
866 Tage zuvor | Harald Fidler
Verhaberung zwischen Verlegern und Politik kein Problem
Die APA über die Buchpräsentation:
Medienmacher: Verhaberung zwischen Verlegern und Politik kein Problem
Grabner: “Es hat sich noch kein Funktionär durch ein Inserat gerettet” – Voigt: Vermengung redaktioneller Inhalt und Werbung “gibt es nicht” – Fellner: Pirker sei “Inkarnation des österreichischen Durcheinanders”
Verhaberungen zwischen Verlegern und Unternehmern beziehungsweise Politikern oder politische Gefälligkeitsinserate sind in Österreich keine Seltenheit, werden von Medienmachern aber auch nicht als problematisch angesehen. So findet etwa der Medienexperte und ehemalige Holtzbrink-Manager Michael Grabner, dass es das Klima verbessere, “wenn die eine oder andere freundschaftliche Unterhaltung mit einer doppelten Inseratenseite garniert wird – es soll nichts Ärgeres passieren”.
Das sagte Grabner bei der Präsentation von Harald Fidlers neuem Buch über Wolfgang Fellner, in dem der STANDARD-Redakteur auch die Wechselwirkung zwischen Journalismus und Werbung beziehungsweise Journalismus und Politik in den Fellnerschen Medien aufzeigte. “Es hat sich noch kein großer Funktionär, sei es aus Politik oder Wirtschaft, durch eine Anzeige gerettet”, beschwichtigte Grabner.
Oliver Voigt, Generalgeschäftsführer des News-Verlags, meinte, dass es eine Vermengung von redaktionellen Inhalten und Werbung, trotz des in Österreich vorherrschenden jovialen Klimas zwischen Medien, Unternehmen und Politik, nicht gebe. “Hof- oder Bezahltjournalismus funktioniert nicht. Wir reden über etwas, das es so gar nicht gibt.” Nur durch eine klare Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung schaffe man Glaubwürdigkeit und damit den Wert des Mediums, nur so verschaffe man sich vor der Werbebranche Respekt.
Wolfgang Fellner, der wegen auffällig großer Inseratenmengen aus der roten Reichshälfte zuletzt des öfteren ins Visier der Kritik geriet, will diesen Vorwurf so nicht stehen lassen. Dass vor allem die SPÖ in seiner Tageszeitung “Österreich” inseriere, “stimmt ja gar nicht”, auch andere Parteien würden Werbung schalten – “mal so, mal so”. Dass, wenn man sich im SPÖ-dominierten Wiener Umfeld bewegt, “rot dominiert und nicht schwarz”, sei auch klar. Laut Oliver Voigt sei es “selbstverständlich, dass wir um das öffentliche Geld genauso rittern wie um das Geld der Privatwirtschaft”. Voigt hält es für “einen klugen Zug der Politik” mit Hilfe von Marketing und Inseratenschaltungen die Medien zu stützen und so Arbeitsplätze zu erhalten.
Dass bei Fellners Bemühungen um das Geld der Politik nicht immer alles harmonisch ablaufe, hatte Styria-Vorstandsvorsitzender Horst Pirker unlängst bei einer Generalversammlung des Verbands Österreichischer Zeitungen betont. Der Verlegerpräsident sprach von “Freundschaft über mehr oder minder sanften Druck bis hin zur Erpressung” sowie “vorauseilender Bereitschaft zum Verkauf journalistischer und ethischer Standard”. Fellner habe als Unternehmer viel erreicht, seine publizistische Zwischenbilanz sei dagegen “verheerend”. Pirker im Vorfeld der Buchpräsentation: “Er hat entscheidend dazu beigetragen, das Land publizistisch zu verwüsten, auch wenn nicht alles misslungen war und ist.”
Fellner: Pirker sei “Inkarnation des österreichischen Durcheinanders”
Fellner konterte dem abwesenden Pirker: “Kaum jemand nutzt seinen Status so aus wie Pirker. Er ist die Inkarnation des österreichischen Durcheinanders mit seinen Gschäftln.” Wenn jemand “dem Land Schaden zugefügt” habe, dann Pirker, und zwar unter anderem mit dem Versuch, den Journalisten-Kollektivvertrag abzuschaffen, zeigte sich Fellner überzeugt. “Pirkers Vorwurf ist nicht gerechtfertigt – er soll lieber vor seinem eigenen ‘Gotteshaus’ kehren.”
APA, 23. September 2009
867 Tage zuvor | Harald Fidler
Die "irre Welt" des Wolfgang Fellner
Die “irre Welt” des Wolfgang Fellner
Harald Fidler beschreibt Leben des “manischen Medienmachers” vom “Rennbahn-Express” bis “Österreich”
Wien (APA) – Er “denkt sich seine Welt positiv. Die Welt muss sich danach richten”- treffender kann man Wolfgang Fellner kaum beschreiben. Auf rund 272 Seiten dokumentiert Harald Fidler, was damit gemeint ist. In seinem neuen Buch “Österreichs manischer Medienmacher. Die Welt des Wolfgang Fellner” nimmt einer der bekanntesten Medienjournalisten Österreichs einen der bekanntesten Medienmacher ins Visier. Fidler macht sich auf Spurensuche und findet die Wurzeln des heute als “Fellnerismus” bekannten Phänomens bereits beim 14-jährigen WoFe und dessen erster verlegerischer Tätigkeit beim “Rennbahn-Express”. Der Autor zeichnet das Bild eines rastlosen, für seine Wutausbrüche und deftige Ausdrucksweise bekannten Workaholics, der nicht nur die eigenen Redaktionen, sondern die gesamte Medien- und auch Politikszene Österreichs seit Jahrzehnten auf Trab hält.
Wolfgang Fellner ist Journalist und Marketing-Genie. Als manischer Schreiber gibt er nichts aus der Hand und überlässt nichts dem Zufall. Bis in den kleinsten Artikel reicht die Handschrift Fellners, mit der er die geistigen Ergüsse seiner Mitarbeiter in seine Weltsicht färbt. Das PR-Geschick des Wolfgang Fellner, das sich sowohl im Eigenmarketing wie im Lukrieren von Anzeigen niederschlägt, zeigte sich bereits Ende der 1960er Jahre. Die ersten Inserate im “Rennbahn-Expres” (wie etwa jenes vom befreundeten Frisiersalon Iris) beruhten “mehr auf persönlichem Engagement denn auf der Idee einer wirksamen Werbung”. Mit Hilfe dieses Engagements machte Fellner nicht nur den “Rennbahn-Express”, sondern auch die Zeitungsillustrierte “Basta” groß, es half ihm bei der Gründung und dem Aufbau des “News”-Verlagsimperiums und nun bei seinem jüngsten Baby, der Tageszeitung “Österreich”.
Fidler geht aber nicht nur den Wechselwirkungen zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten, sondern auch jenen zwischen Fellner und der heimischen Politik auf den Grund. “Große Teile der österreichischen Politik sind käuflich. Also macht Wolfgang Fellner mit ihr Geschäfte. Wenn das Geld der SPÖ auf der Straße liegt, hebt er es auf”, zitiert Fidler den Grünen-Politiker Peter Pilz. WoFe, den mit Pilz ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, habe das “Verhältnis zwischen Politik und Journalismus auf der Ebene der Macht neu bestimmt. Er führte das einfache, offene Geschäft ein. Wer sich auf einen Wahlkampf vorbereitete, wurde auf seine Pflicht, in ‘News’ zu inserieren, hingewiesen. Großparteien hatten groß, Kleinparteien beträchtlich zu inserieren”, wird Pilz zitiert.
Interessant und unterhaltsam schaut Fidler in seinem neuen Buch hinter die Kulissen des Phänomens Wolfgang Fellner und wird dabei immer wieder mit der Eigenschaft des Medienmenschen konfrontiert, persönliche Aktivitäten in den schillerndsten Farben zu skizzieren und solange von seinen Erfolgen zu sprechen, bis die Welt daran glaubt. “Nur: Seine Erzählung lässt sich mit historischen Fakten nicht in Einklang bringen”, schreibt Fidler. Fellner, der das Manuskript vorab gelesen hatte, findet es “rundweg negativ” und autorisierte es nicht. Im Interview mit dem Branchenmagazin “Journalist” meint er hingegen, er sei “beim ersten Mal lesen kurz vor Seite 100 eingeschlafen”. Dass “jemand allen Ernstes 300 Seiten über mich verfasst”, überrascht ihn.
Was aber treibt den manischen Medienjournalisten Harald Fidler dazu, neben seiner durchaus arbeitsintensiven Tätigkeit als “Standard”-Redakteur, ein Buch nach dem anderen auf den Markt zu bringen – und weshalb gerade eine Biografie über Wolfgang Fellner? “Bücher sind die beste Gelegenheit, sich näher mit Themen, Personen und Phänomenen zu befassen, über die man zwar ständig schreibt, mit denen man sich aber im Tagesgeschäft nicht wirklich tiefer gehend auseinandersetzen kann. Das hilft dann auch im Tagesgeschäft”, so Fidler zur APA.
Wolfgang Fellner findet er – “ganz wertfrei gesagt, eine faszinierende Persönlichkeit der österreichischen Medienlandschaft. Ein Phänomen.” Ziel der Biografie ist es, “Menschen, die Wolfgang Fellner nicht oder nicht gut genug kennen, ein Bild über dieses Phänomen zu vermitteln. Ihnen damit auch zu zeigen, wie Produkte von Wolfgang Fellner funktionieren. Und Menschen, die ihn kennen, vielleicht ein paar neue Details zu zeigen.”
APA, 22. September 2009
867 Tage zuvor | Harald Fidler
Fellner vs. Fidler
Fellner vs. Fidler
Harald Fidler gilt als Österreichs Medienjournalist Nummer 1. Er hört das Gras, bevor es noch wächst. Der, so seine Selbstwahrnehmung, “einfache Redakteur” glänzt mit umfangreichem Wissen, ist bestens informiert und hat die Medienberichterstattung zu einem Fixpunkt in der Tageszeitung Der Standard gemacht. Nunmehr widmet er sich einem großen Tier. Sein neues Buch “Österreichs manischer Medienmacher”, das heute in Wien offiziell vorgestellt wird, beschreibt Wolfgang Fellner und dessen Welt.
atmedia.at: Ist Wolfgang Fellner mit Ihrem Buch glücklich?
Harald Fidler: Kann ich nicht sagen. Er hat es nicht autorisiert, aber er hat vor Drucklegung zweimal die jeweiligen Fassungen zum Lesen bekommen. Wir haben vereinbart, er kann Stellung nehmen zu dem was er für falsch oder für nicht
ganz korrekt hält. Aber die Endredaktion lag bei mir.
Sein Kommentar nach der Erstfassung?
Fidler: Er fand es deprimierend, infam und sehr negativ. Durchwegs negativ. Was ich übrigens nicht finde.
Hat er versucht ihr Bild zu korrigieren? War er zur Mitarbeit bereit?
Fidler: Zwischendurch ja. Er hat sogar vorgeschlagen, er könne mir
Kurzkommentare mit seiner Sicht der Dinge zu jeden meiner Kapitel schreiben. Was ich spannend gefunden hätte. Wir hatten sogar einen Abgabetermin und auch noch eine Nachfrist vereinbart. Aber beide Male ist nichts von ihm gekommen.
Wie lange konnten Sie mit ihm sprechen?
Fidler: Wir hatten drei Termine zu jeweils eineinhalb Stunden. Dazu Telefonate und E-Mails. Aber dazwischen lagen Wochen ohne Kontakt. Ich wollte ihm ursprünglich persönlich sagen, dass ich ein Buch über ihn schreibe. Ich finde, das gehört sich so. Da er nicht reagierte, habe ich es ihm schliesslich doch per Mail mitgeteilt. Bis wir uns zum ersten Mal trafen, hatte ich schon im Umfeld mit meinen Recherchen begonnen.
Seine Reaktion, als Sie ihn dazu interviewten?
Fidler: Er sagte: Wen soll des interessieren?
War das kokett gemeint oder eine fachliche Meinung?
Fidler: Ich glaub’, jeden freut’s irgendwie wenn man sagt, man schreibt ein Buch über ihn. Er meinte sogar, eigentlich könne er selber noch schnell seine Biographie schreiben. Meine und seine Version könnten dann gegeneinander antreten.
Typisch Fellner, nicht wahr?
Fidler: Es gab noch einen Schlüsselsatz dazu. Er meinte: “Fidler, eins ist klar , wenn i’ des schreib’, interessiert des natürlich vü mehr Leit’
als wenn Sie des machen”. – Ich wollte ihm nicht widersprechen.
Wieso überhaupt ein Fellner-Buch?
Fidler: Aus drei Gründen. Erstens: Ich find’s immer spannend, Themen oder Personen, über die man fast täglich schreibt, einmal genau zu hinterfragen. Zweitens: Wolfgang Fellner ist eine faszinierende Persönlichkeit. In jeder Hinsicht. Sie müssen erst einmal jemand finden der so ein Schippl Magazine gegründet und die Medienlandschaft damit verändert hat. Und der sich traut, mit einem Massenblatt gegen die Kronen-Zeitung anzutreten und eine Reihe großer Banken dazu bringt, ihm das Geld dafür zu geben. Und drittens: Der Styria-Verlag hat mich gefragt ob ich das machen will.
Lauda kennt Fellner nicht
Welche Reaktionen erlebten Sie bei Ihren Recherchen?
Fidler: Viele haben geredet, manche nicht. Eine Stellungnahme fand ich ganzoriginell: Niki Lauda zum Beispiel sagte, über Fellner könne er nichts sagen, den kenne er zuwenig. Das war für mich faszinierend.
Und die Familie Fellner? Hat die geredet?
Fidler: Ehefrau Uschi, ja, Sohn Niki, ja. Vater Fritz, nein, Bruder Helmuth, nein.
Gibt es neue Erkenntnisse, wenn man Fellners Lebenslauf geballt vor sich
ausbreitet?
Fidler: Für mich war schon überraschend, wie sich – seit Rennbahn-Express-Zeiten – alles derartig wiederholt. Es ist unglaublich, dass Wolfgang Fellner mit 14, 15 Jahren ein Rezept hatte und seither eigentlich nichts anderes gemacht hat, als dieses Rezept des Magazinmachens zu wiederholen. Natürlich verbessert, verfeinert, nachjustiert. Aber das Schema bleibt gleich.
Man hat beim Lesen das Gefühl, das Sie noch viel mehr wüssten.
Fidler: Ich hab einiges gekürzt, vor allem was zu sehr ins Privatleben geht.
Haben sie jemals für Fellner gearbeit?
Fidler: Nein nie, aber ich hatte ein paar Angebote. Aber es hat sich nie ergeben.Vielleicht ist auch mein Gesamtzugang zum Medienmachen ein anderer.
Kann man durch Wolfgang Fellner reich werden? Falls Sie, sagen wir, 4000
Bücher verkaufen?
Fidler: Ich verdien’ pro Buch 2,49 Euro, also zehn Prozent vom Verkaufspreis, das normale Autorenhonorar. Kein Fixum. Man kann sich ausrechnen, dass man damit kein großes Geld macht.
Ihr Urteil: Ist die Zeitung “Österreich” gelungen oder nicht?
Fidler: Vor ein paar Monaten hätte ich gesagt, ich weiß nicht, warum ein Vollprofi wie Wolfgang Fellner, der ja ein paar Titel gemacht und teilweise sehr gut vorbereitet hat, am 31. August 2006 so etwas Unfertiges auf den Markt brachte. Möglicherweise war’s das andere Genre, Tageszeitung statt Magazin. Und warum er sich mit den Farbmagazinen, die der Zeitung beigefügt und als Clou gepriesenen wurden, so getäuscht hat. Jetzt, seit dem letzten Relaunch von Österreich im Juni, sage ich – warum nicht gleich?!
atmedia.at/Franz Prassl 22. September 2009
867 Tage zuvor | Harald Fidler
"Kurzweilig, fundiert"
Wolfgang Fellner, Hardcover, als kurzweilige Medienstory
Harald Fidler porträtiert in einem neuen Buch Wolfgang Fellner: fast 300 Seiten Medienzeitgeschichte und Anekdoten. Amüsant.
Es sei, so deutet Standard-Redakteur Harald Fidler im Vorwort an, nicht leicht gewesen, ein “möglichst wahrheitsgetreues Buch über Wolfgang Fellner zu schreiben”, weil dieser “so lange von seinen Erfolgen spricht, bis die Welt oder zumindest weite Teile davon daran glauben”. Auf 270 Seiten versucht Fidler es in Österreichs manischer Medienmacher (Verlag Styria) dennoch – mit dem, “was die Medienjuristen übrig ließen”.
Und das ist ein kurzweiliger, fundierter Befund zur Entstehung des “Fellnerismus” – von den im “Rennbahn Express” verwirklichten Teenie-Träumen über “Basta”, die Gründung von “News” bis zu Fellners vollmundiger Ansage “Ich habe einen Traum. Österreich wird neu” und dem daraus resultierenden Hybriden aus Boulevard-/Gratisblatt. Fidler mischt Hintergründiges geschickt mit Pointen, erinnert an längst Vergessenes, etwa dass Fellner der Erste war, der dem “Rennbahn Express” eine Schallfolie (für den Plattenspieler) beilegte – ein Marketingtool, auf das er später gern zurückgriff.
“Fellner hat die österreichische Medienlandschaft stark beeinflusst. Seine innovativen Ansätze haben verändert”, sagt Medienberater Michael Grabner über Fellner, der ihn laut Fidler seit seiner kurzen Episode in der “Kurier”-Geschäftsführung als “Chef” bezeichnet. Oliver Voigt (er führt heute die News-Gruppe) hält 300 Seiten Fellnerei übrigens für nicht verwunderlich: “Wolfgang Fellner ist ein farbenvoller Medienmacher in diesem Land. Und zwar einer mit sehr vielen, verschiedensten Facetten.” i. w.
“Außergewöhnlich viel erreicht”, publizistisch “verheerende Zwischenbilanz”
“Wolfgang Fellner kann man nicht eindimensional begreifen. Als Entrepreneur hat er außergewöhnlich viel erreicht, auch wenn nicht alles gelungen ist. Seine publizistische Zwischenbilanz ist dagegen verheerend: Er hat entscheidend dazu beigetragen, das Land publizistisch zu verwüsten, auch wenn nicht alles misslungen war und ist.”
Horst Pirker, Präsident des VÖZ und Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group
Isabella Wallnöfer, Die Presse, 22. September 2009
867 Tage zuvor | Harald Fidler
"Bücher mit Brennwert"
Günter Traxler in seinem Standard-“Blattsalat” zur Buch-Erwähnung von Heute
Für alle Fans von Bücherverbrennungen hat der Krone-Abschaum Heute am Freitag moralische Qualitätskriterien für die Beurteilung von Neuerscheinungen vorgelegt, bei denen der Geist möglicher Leser im Sinne der Blattlinie nicht belastet wird, weil es zu einer Lektüre erst gar nicht zu kommen braucht. In der Rubrik Die besten Bücher dieser Woche wurden nach diesem neuen System gerade rechtzeitig vor Beginn der Heizperiode drei Werke präsentiert, aus denen, wenn schon nicht Leser, so doch Nutzer einen Gewinn ziehen sollten, den sich die Autoren nicht träumen ließen.
Nummer eins: Gefühlsmensch Wolfgang Schüssel schüttet sein Herz aus – und berichtet über politische Fakten … Spannung auf 392 Seiten, gebunden, 727 Gramm schwer – das ergibt einen Heizwert von 3,1 kWh. So viel wie 1,5 Kilo Holz (waldfrisch).
Dass sich die Aufzählung der besten Bücher der Woche nicht allein an literarischer Qualität oder politischer Bedeutung orientiere, sondern an höheren Werten, machte Nummer zwei dann klar. Mausi Lugner schreibt … – ja, wirklich. Ein erotisches Kochbuch soll’s werden. Mit Rezepten für Kokosbusserl und flambierte spanische Fliegen. Umfang: 20 Seiten, aber die heißen Fotos garantieren einen Brennwert von 1,9 kWh. Ein Liter Benzin (Heizwert: 9,6 kWh) kommt günstiger.
Fühlte man sich bei den genannten Werken beinahe überinformiert, weil immerhin deren gefühlsmäßige respektive intellektuelle Urheber genannt waren, wurde man bei Nummer drei nicht über Gebühr strapaziert. Noch ein Buch über einen Sympathieträger Österreichs: über den „manischen“ Verleger Wolfgang Fellner. Größe: 21,5 × 13,5 cm. 270 Seiten. Hardcover. Brennwert: immerhin 2,4 kWh. Wie 300 Gramm eines Braunkohle-Briketts.
Dass bei keinem der so subtil besprochenen Bücher ein Preis genannt wurde, war insofern im Sinne der Heute-Leser, als sie sich erst gar nicht ökonomischen Erwägungen anheimgeben mussten, die nur in komplizierte Berechnungen gemündet wären, wie viele Euros wohl einen marktgerechten Preis für die Herzensergießungen eines Ex-Kanzlers im Wert von 1,5 Kilo Holz (waldfrisch) darstellten. Dass aber beim dritten Buch sogar der Autor verschwiegen wurde, der sich am „manischen“ Verleger Wolfgang Fellner abgearbeitet hat, lässt sich nicht mit einem Brennwert wie 300 Gramm eines Braunkohle-Briketts erklären, sondern nur mit dem Fluch des Hauses Dichand, der selbst im Ableger Heute jeden in den Orkus des Vergessens befördern will, der unliebsamer Konkurrenz eine nicht autorisierte Aufmerksamkeit widmet. Die Psycho-Studie des Standard-Redakteurs Harald Fidler, wohlfeil um 24,95 Euro zu erwerben, wäre in Heute brennwertmäßig vielleicht korrekter besprochen worden, hätte sich der Autor stattdessen der „manischen“ Vorstellung eines hundestreichelnden Sympathieträgers gewidmet, nur ein Journalist zu sein.
(…)
869 Tage zuvor | Harald Fidler
"Fidlers oft wirklich gute Informationen, Recherchekönnen und Wortwitz"
„Wen soll das interessieren?“
Herr Fellner, dieser Tage erscheint eine Biografie über Sie. Geschrieben vom Standard-Kollegen Harald Fidler, den viele für den besten Medienjournalisten halten. Sie durften die Fahnen vorab lesen. Wie ist Ihr Urteil?
Wolfgang Fellner: Ich bin überrascht, dass jemand allen Ernstes 300 Seiten über mich verfasst. Ich kann mir kaum vorstellen, dass mein Lebenswerk 300 Seiten füllt – entsprechend langatmig ist das Buch in vielen Passagen. Ich bin beim ersten Mal lesen kurz vor Seite 100 – als seitenlang alle meine Marketing-Aktivitäten von Rennbahn-Express und Basta aufgezählt wurden – eingeschlafen. Ich hoffe, das geht anderen Lesern nicht ebenso. Ich selbst habe bisher jedes Angebot, ein Buch über mein Leben zu schreiben, abgelehnt, weil ich der Meinung bin: Man schreibt einen Match-Bericht nicht zur Halbzeit. Und ich habe mit knapp 55 Jahren hoffentlich noch nicht einmal die Halbzeit meines Berufslebens erreicht. Dazu kommt: Den Erfolg einer Tageszeitung kann man – nach Meinung aller Experten – frühestens nach fünf Jahren beurteilen. Entsprechend besteht das Buch aus Mutmaßungen – die wirklich spannenden Storys meines Lebens fehlen. Was ich hinter den Kulissen mit Politikern, Prominenten, Konkurrenten, Partnern erlebt habe, weiß Gott sei Dank nur ich. Und das habe ich aus gutem Grund (noch) nicht erzählt.
Marketing ist ein gutes Stichwort. Im Kern geht es in Fidlers Buch darum, dass Sie alte Schmähs aus ihrer Rennbahn-Express-Zeit weiterdrehen. Gratis-Extras, Beilagen.
Wolfgang Fellner: Das Buch besteht mehr oder weniger aus Fidlers gesammelten Werken – also den aufsummierten rund 100 Standard-Geschichten, die er über mich verfasst hat. Dazu gehört seine Fixierung, dass mein Erfolg primär aus Marketing besteht. Meine redaktionellen Erfolge – vom Aufdecken der Noricum-Affäre bei Basta über die Enthüllung der Bawag-Spekulationen bei News bis zum Enttarnen von Straches Nazi-Vergangenheit bei Österreich – kommen gar nicht oder nur als Nebensatz vor. Die Wahrheit ist aber, dass Zeitung- und Magazinmachen zu 80 Prozent aus Journalismus und wohl nur zu 20 Prozent aus Marketing besteht. Und die wirklich spannenden Erlebnisse meines Lebens waren journalistische „Abenteuer“ und nicht Marketing-Routine. Dementsprechend fad finde ich das Buch in vielen Passagen.
Fidlers Buch hat den Titel „Österreichs manischer Medienmacher“. Sind Sie manisch oder nur ein bisserl Testosteron-gesteuert?
Wolfgang Fellner: Ich habe gerade zwei Biografien über Axel Springer und Henri Nannen gelesen, die spannender als meine Biografie sind – beide werden als „manische Medienmacher“ beschrieben, ich befinde mich also in guter Gesellschaft. Es dürfte für den kleinen Maxi irgendwie zum Nimbus eines Medienmachers gehören, dass er „manisch“ sein muss. Jeder, der mich privat kennt, weiß, dass ich von „manisch“ weit entfernt bin, dass ich aber eine sehr große Leidenschaft für das Zeitungmachen, für das Neuerfinden von Medien und für Journalismus habe. Diese Leidenschaft bestimmt mein Leben und ist wohl auch Teil meines bisherigen Erfolgs, der sich aber mit dem von Springer oder Nannen nicht einmal ansatzweise vergleichen lässt.
Letzte Frage: Was halten Sie eigentlich von Harald Fidler?
Wolfgang Fellner: Privat ein ganz sympathischer Bursche, beruflich natürlich ein Schreibtisch-Täter im Auftrag seines Verlegers. Bei allem Respekt vor Fidlers oft wirklich guten Informationen, Recherche-Können und Wortwitz – ich finde es nicht anständig, wenn auf der Medienseite eines angeblich seriösen rosa Blattes immer einseitig auf die Konkurrenz – egal ob sie Presse, Kurier oder vor allem Österreich heißt – hingeprügelt wird. Man merkt bei vielen Fidler-Geschichten halt die Absicht.
Der österreichische Journalist 17. September 2009
Anm. Harald Fidler: Man soll vielleicht nicht von sich auf andere schließen – Oscar Bronner hat sich gut amüsiert über Fellners Vermutung, er wäre der Auftraggeber meiner Berichterstattung. Und seine journalistischen Höchstleistungen kommen im Buch keineswegs zu kurz. Die übrigen Anmerkungen spar ich mir jetzt.
869 Tage zuvor | Harald Fidler
Ein Stück Mediengeschichte
WoFe‘s Welt jetzt neu im Buchhandel
Seit Mittwoch, dem 16. September, ist das neue Œvre von Medienbeobachter und Standard-Redakteur Harald Fidler im Buchhandel: „Österreichs manischer Medienmacher – Die Welt des Wolfgang Fellner“. Ausführliche Rezensionen und Analysen werden wohl noch folgen, vorneweg ein Zitat aus dem Vorwort Fidlers: „Wolfgang Fellner fand das Manuskript rundweg negativ. Knapp ein Dutzend Menschen, die ihn kennen, haben es gelesen. Einige, die mit ihm gearbeitet haben, fanden es eher zu mild, zu freundlich, was die Medienjuristen übrig ließen“. Die Kapitelüberschriften lauten „König von Österreich“, „Auf der RENNBAHN“, „Und damit Basta“, „Rasch ausKURIERt“, OverNEWSed“, „Haltbar wie FORMIL“, „Österreich: Zeitung sucht Land“ und schließlich „Mensch Wolfgang: Fellner nackt“. 269 Seiten
Geschichte und Geschichten, wie es Fidlers Stil ist, etwas kurzatmig, aber mit sehr vielen Zitaten und Quellenangaben versehen – ein Stück Mediengeschichte. Die kursiv gesetzten Einschübe sind H. F.s ganz persönliche Erlebnisse bei der Recherche zu einem prallvollen Medienmacher-Leben; so merkt Fidler an: „Ich habe beileibe nicht alle Geschichten und Gschichterln verwendet“.
Horizont, 18. September 2009
Anm. Harald Fidler: Das hab ich offenbar nicht deutlich genug gemacht: Die kursiv gesetzten Einschübe sind, wie sich auch aus dem Inhaltsverzeichnis erschließen könnte, Kurzbiografien über Wegbegleiter Wolfgang Fellners.
869 Tage zuvor | Harald Fidler
"Heute": Bester "Brennwert"
Die besten Bücher dieser Woche . . .
Gefühlsmensch Wolfgang Schüssel schüttet sein Herz aus – und berichtet über politische Fakten … Spannung auf 392 Seiten, gebunden, 727 Gramm schwer – das ergibt einen Heizwert von 3,1 kWh. So viel wie 1,5 Kilo Holz (waldfrisch).
Mausi Lugner schreibt … – ja, wirklich. Ein erotisches Kochbuch soll’s werden. Mit Rezepten für Kokosbusserl und flambierte spanische Fliegen. Umfang: 20 Seiten, aber die heißen Fotos garantieren einen Brennwert von 1,9 kWh. Ein Liter Benzin (Heizwert: 9,6 kWh) kommt günstiger.
Noch ein Buch über einen Sympathieträger Österreichs: über den “manischen” Verleger Wolfgang Fellner. Größe: 21,5 × 13,5 cm. 270 Seiten. Hardcover. Brennwert: immerhin 2,4 kWh. Wie 300 Gramm eines Braunkohle-Briketts.
Heute vom 18. September 2009
Günter Traxlers “Blattsalat” im Standard dazu finden Sie
hier
869 Tage zuvor | Harald Fidler
Der Fidler und der Fellner - ein seltsames Paar
Da haben sich zwei gefunden. Der “Standard”-Medienjournalist Harald Fidler hat eine ziemlich üppige Biographie über Wolfgang Fellner geschrieben. Keine autorisierte, dafür – wie bei Fidler üblich – gut recherchiert. Das im “Styria”-Verlag dieser Tage erscheinende Buch hat den Titel “Österreichs manischer Medienmacher”. Wolfgang Fellner hält von dem Werk reichlich wenig. In einem Interview mit dem Branchen-Magazin “Journalist” stapelt er in eigener Person ausnahmsweise tief: “Wen soll das interessieren?”
Für die Branche ist Fidlers Buch freilich nicht uninteressant. Denn er ist ein Trüffelschwein und hat zum Beispiel in der Nationalbibliothek das erste Inserat von Fellner rausgeholt, das dessen kongenialer Bruder Helmuth beim Friseur gekeilt hat.
In Handschrift war zu lesen: “Für ihre Schönheit im September empfiehlt sich Frisiersalon Iris”. So begann der Fellnerismus, der in Fidlers Werk mit einem Kinderklassiker präzise beschrieben wird – mit Pippi Langstrumpf: “Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune, ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.”
Das Buch hat ein bisserl Längen, ist aber eine luzide Beschreibung der nach Hans Dichand wichtigsten Medienpersönlichkeit des Landes. Das fängt schon mit Fidlers Intro an: Wolfgang Fellner, Kürzel WoFe, denkt sich seine Welt positiv. Und die Welt muss sich danach richten. “Ein prinzipieller Misserfolg kommt in meiner Lebensplanung nicht vor”, erklärt Fellner. Mal schauen, wie es mit “Österreich” weitergeht. Zuletzt baute er Personal ab, der Umfang des Blattes ist merklich geschrumpft. Fidlers Buch bietet gute Einblicke in Österreichs Medien-Camarilla. Es gibt köstliche Passagen zum Schieflachen.
Er zeichnet – wie im Titel angesprochen – das Bild eines manischen Medienmachers. Das ist Wolfgang Fellner zweifellos; das kann jeder bestätigen, der auch nur einen Tag mit ihm zu tun hatte. Fellner hält sich natürlich nicht für manisch. Ganz im Gegenteil. Bei aller Fernzerei ist die Biographie extrem sachlich. Fellner fühlt sich wohl nicht getroffen. Fellner-Kenner werden aber wohl meinen, dass das Porträt ihn ganz gut trifft.
Freddie Kräftner, Wiener Zeitung, 18. September 2009
869 Tage zuvor | Harald Fidler
"profil" zum "Kronfolger"
WoFe‘s Welt jetzt neu im Buchhandel
Seit Mittwoch, dem 16. September, ist das neue Œvre von Medienbeobachter und Standard-Redakteur Harald Fidler im Buchhandel: „Österreichs manischer Medienmacher – Die Welt des Wolfgang Fellner“. Ausführliche Rezensionen und Analysen werden wohl noch folgen, vorneweg ein Zitat aus dem Vorwort Fidlers: „Wolfgang Fellner fand das Manuskript rundweg negativ. Knapp ein Dutzend Menschen, die ihn kennen, haben es gelesen. Einige, die mit ihm gearbeitet haben, fanden es eher zu mild, zu freundlich, was die Medienjuristen übrig ließen“. Die Kapitelüberschriften lauten „König von Österreich“, „Auf der RENNBAHN“, „Und damit BASTA“, „Rasch ausKURIERt“, OverNEWSed“, „Haltbar wie FORMIL“, „ÖSTERREICH: Zeitung sucht Land“ und schließlich „Mensch WOLFGANG: Fellner nackt“. 269 Seiten
Geschichte und Geschichten, wie es Fidlers Stil ist, etwas kurzatmig, aber mit sehr vielen Zitaten und Quellenangaben versehen – ein Stück Mediengeschichte. Die kursiv gesetzten Einschübe sind H. F.s ganz persönliche Erlebnisse bei der Recherche zu einem prallvollen Medienmacher-Leben; so merkt Fidler an: „Ich habe beileibe nicht alle Geschichten und Gschichterln verwendet“.
Horizont, 18. September 2009
Anm. Harald Fidler: Das hab ich offenbar nicht deutlich genug gemacht: Die kursiv gesetzten Einschübe sind, wie sich auch aus dem Inhaltsverzeichnis erschließen könnte, Kurzbiografien über Wegbegleiter Wolfgang Fellners.
